Unsere Schweinehalter brauchen endlich verlässliche Perspektiven
Landesregierung bestätigt deutlichen Strukturwandel in der Schweinehaltung – Hohenlohe zählt zu den besonders betroffenen Regionen – CDU-Landtagsfraktion fordert Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und stärkere regionale Wertschöpfung
Die Lage der Schweinehaltung in Baden-Württemberg bleibt angespannt. Das geht aus einer aktuellen Stellungnahme des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat zu einem parlamentarischen Antrag des Landtagsabgeordneten Dr. Tim Breitkreuz und weiterer Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion hervor.
Für Breitkreuz hat das Thema auch eine besondere regionale Bedeutung: Der direkt gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis Hohenlohe ist Mitglied im Ausschuss für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Hohenlohe gehört zu den Schwerpunktregionen der Schweinehaltung in Baden-Württemberg und wird auch in der Antwort der Landesregierung ausdrücklich als eine der vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen genannt.
„Die Schweinehaltung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Landwirtschaft und unserer regionalen Wertschöpfung. Gerade bei uns in Hohenlohe haben viele Familienbetriebe über Generationen hinweg in Tierhaltung, Stalltechnik und hohe Qualitätsstandards investiert. Wenn immer mehr Betriebe aussteigen oder notwendige Investitionen nicht mehr wagen, müssen wir genau hinschauen, woran das liegt und an welchen Stellschrauben Politik ansetzen kann“, erklärt Breitkreuz. „Probleme sind dabei insbesondere die derzeit niedrigen Schweinepreise, viel zu hohe bürokratische Hürden und fehlende Planungssicherheit durch ständig neue gesetzliche Vorgaben.“
Zahl der Betriebe teilweise halbiert
Die Zahlen der Landesregierung verdeutlichen den dramatischen Strukturwandel. Nach der repräsentativen Viehbestandserhebung gab es im Jahr 2016 noch rund 2.420 schweinehaltende Betriebe in Baden-Württemberg, 2026 waren es nur noch rund 1.380. Das entspricht einem Rückgang von etwa 43 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Im gleichen Zeitraum sank der Schweinebestand von rund 1,80 Millionen auf 1,24 Millionen Tiere, also um rund 31 Prozent. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei den Zuchtsauenhaltern: Ihre Zahl hat sich von etwa 1.130 Betrieben im Jahr 2016 auf rund 550 im Jahr 2026 mehr als halbiert. Erfasst werden dabei Betriebe mit mindestens 50 Schweinen beziehungsweise mindestens zehn Zuchtsauen.
Auch beim Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch zeigt sich die Entwicklung. Dieser lag in Baden-Württemberg 2015 noch bei 60,2 Prozent und 2021 bei 60 Prozent. Im Jahr 2023 fiel er auf lediglich 52,5 Prozent. Zuletzt stieg er wieder leicht auf 55,9 Prozent im Jahr 2025, liegt damit aber weiterhin deutlich unter dem Niveau von vor zehn Jahren.
„Ein Strukturwandel gehört zur Landwirtschaft seit jeher dazu. Entscheidend ist aber, ob Betriebe aus unternehmerischen Gründen neue Wege gehen oder ob sie aufgeben, weil Investitionen nicht mehr kalkulierbar sind und Perspektiven fehlen. Wenn innerhalb von zehn Jahren mehr als vier von zehn erfassten Schweinehaltungen verschwinden und sich die Zahl der Zuchtsauenhalter sogar halbiert, können wir das nicht einfach als normalen Prozess abtun“, so Breitkreuz.
Preisverfall setzt Landwirte unter Druck
Besonders angespannt hat sich 2026 die Marktlage entwickelt. Nach Angaben des Ministeriums ist der starke Preisverfall vor allem auf ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Die Nachfrage nach Schweinefleisch blieb schwach; auch die sonst üblichen Absatzimpulse durch Grillsaison, Sommer und Fußball-Weltmeisterschaft blieben aus. Gleichzeitig entstand auf europäischer Ebene ein Überangebot. Insbesondere Schweinefleisch aus Spanien, das zuvor in größeren Mengen unter anderem nach China und in die USA exportiert worden war, traf aufgrund eingeschränkter Exportmöglichkeiten verstärkt auf den europäischen Binnenmarkt. Volle Kühl- und Gefrierlager verschärften die Lage zusätzlich. Der bundesweite VEZG-Schlachtschweinepreis sank im Sommer zeitweise auf nur noch 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Auch die Ferkelpreise gerieten dadurch erheblich unter Druck.
Für Breitkreuz zeigt sich daran ein grundlegendes Problem: „Unsere Betriebe sind einem Markt mit erheblichen Schwankungen ausgesetzt, während viele ihrer Kosten langfristig gebunden sind. Ein Stall wird nicht für zwei oder drei Jahre gebaut, sondern für Jahrzehnte. Investitionen in Tierwohl, Emissionsschutz und moderne Haltungssysteme funktionieren deshalb nur, wenn Landwirte zumindest ein Mindestmaß an Planungssicherheit haben.“
Bürokratische Hürden und fehlende Planbarkeit verhindern Investitionen
Auch die Landesregierung benennt in ihrer Stellungnahme neben Markt- und Preisrisiken unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen als Investitionshemmnis. Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erfordern insbesondere in der Sauenhaltung vielfach erhebliche bauliche Veränderungen. Hinzu kommen immissionsschutzrechtliche Vorgaben, teilweise auf Grundlage des EU-Rechts, bürokratische Hürden insbesondere bei Baugenehmigungen sowie eine gesellschaftlich zunehmend kontrovers geführte Diskussion über Tierhaltung. Das Ministerium hält deshalb verlässliche und zukunftsfähige Rahmenbedingungen sowie Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen für unabdingbar.
„Wer höhere Tierwohlstandards möchte, muss den Betrieben auch ermöglichen, diese umzusetzen“, betont Breitkreuz. „Wir dürfen Landwirten nicht auf der einen Seite neue Anforderungen stellen und sie auf der anderen Seite bei Genehmigungen, Finanzierung oder ständig wechselnden Vorgaben im Regen stehen lassen. Stallumbauten müssen rechtssicher, finanzierbar und innerhalb vernünftiger Zeiträume genehmigungsfähig sein.“
Besonders relevant für seinen Wahlkreis ist dabei eine Feststellung des Ministeriums: Zu den vom Strukturwandel in absoluten Zahlen besonders betroffenen Gebieten zählen Hohenlohe, Ostwürttemberg und Donau-Oberschwaben – also gerade die Regionen mit einer hohen Spezialisierung in der Schweinehaltung. Gleichzeitig liegen die prozentualen Rückgänge dort unter dem Landesdurchschnitt. Nach Einschätzung der Landesregierung spricht dies dafür, dass in den vergangenen zehn Jahren vor allem kleinere und weniger spezialisierte Betriebe die Schweinehaltung aufgegeben haben. Dennoch sind auch in den spezialisierten Regionen deutliche Rückgänge zu verzeichnen.
„Dass Hohenlohe von der Landesregierung ausdrücklich als eine der besonders betroffenen Regionen genannt wird, zeigt, wie unmittelbar uns diese Entwicklung vor Ort betrifft“, erklärt Breitkreuz. „Bei uns geht es nicht nur um die Schweinehalter selbst. An der Tierhaltung hängt eine ganze regionale Wertschöpfungskette – von vor- und nachgelagerten landwirtschaftlichen Betrieben über Verarbeitung und Vermarktung bis hin zum Lebensmittelhandwerk. Deshalb ist es für Hohenlohe besonders wichtig, dass unsere Betriebe eine Zukunftsperspektive haben.“
Land unterstützt bei Vermarktung und Investition
Unterstützung bietet das Land insbesondere über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Nachdem die Förderung von Investitionen in der Schweinehaltung aufgrund des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung vorübergehend ausgesetzt war, ist sie seit dem 1. September 2026 wieder möglich. Das Land kann dabei Zuschüsse von bis zu 40 Prozent der förderfähigen Investitionskosten gewähren. Ergänzend verweist das Ministerium auf das Förderprogramm FAKT für Tierwohlmaßnahmen, EIP-AGRI für innovative Projekte, Beratungsangebote und angewandte Forschung sowie die Förderung von Investitionen in Verarbeitung, Vermarktung und Schlachtung.
Positiv zu bewerten sind zudem die bestehenden und geplanten Maßnahmen zur stärkeren Vermarktung regionaler Produkte. Das Land verweist unter anderem auf das Qualitätszeichen Baden-Württemberg, das Biozeichen Baden-Württemberg, die Kampagne „Natürlich. VON DAHEIM“ sowie die neue Verbraucherkampagne „Echt aus BW“, die im September startet und Schweinefleisch mit einem eigenen Schwerpunktmotiv berücksichtigt. Auch Projekte zur besseren Vermarktung von baden-württembergischem Biofleisch in der Gemeinschaftsverpflegung werden unterstützt.
Für Breitkreuz ergibt sich aus der Antwort des Ministeriums ein klarer Auftrag: „Wir brauchen eine Schweinehaltung, die wirtschaftlich tragfähig, tiergerecht und gesellschaftlich akzeptiert ist. Dafür sind Förderprogramme ein wichtiger Weg. Sie reichen aber alleine nicht. Wir müssen Genehmigungen praktikabler machen, Bürokratie abbauen, langfristige politische Verlässlichkeit schaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass regionale Qualität auch einen Markt findet. Baden-Württemberg wird preislich nicht mit jedem Produktionsstandort in Europa konkurrieren können. Unsere Stärke liegt in Qualität, Regionalität, Tierwohl und geschlossenen Wertschöpfungsketten. Genau diese Stärken müssen wir ausbauen.“