Barrierefreiheit muss im Alltag ankommen – mein Barrierecheck in Krautheim
Politik darf nicht nur über Teilhabe sprechen – sie muss erleben, was Teilhabe im Alltag bedeutet. Deshalb habe ich mein Versprechen aus den Krautheimer Gesprächen eingelöst und gemeinsam mit Jonas Aberle (SPD Hohenlohe), Vertreterinnen und Vertretern des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), dem Eduard-Knoll-Wohnzentrum (EKWZ) sowie Bürgermeister Andreas Insam einen Barrierecheck in Krautheim durchgeführt – nicht aus der Zuschauerperspektive, sondern selbst im Rollstuhl.

Bereits nach wenigen Minuten wurde deutlich: Zwischen gesetzlichen Vorgaben, politischen Diskussionen und der Realität vor Ort liegen oft nur wenige Zentimeter – ein zu hoher Bordstein, eine zu steile Rampe oder eine Tür, die sich mit dem Rollstuhl kaum öffnen lässt.
Barrierefreiheit darf nicht nur auf dem Papier existieren
Ein erster Halt war das Krautheimer Rathaus. Positiv sichtbar wurde dort, dass auch historische Gebäude Schritt für Schritt barrierefrei erschlossen werden können. Gleichzeitig zeigte sich aber auch: Was formal als „barrierefrei“ gilt, ist nicht automatisch für alle Menschen nutzbar. Gerade größere Elektrorollstühle stoßen vielerorts weiterhin an Grenzen.
Besonders eindrücklich wurde der Rundgang, als eine Teilnehmerin mit ihrem Elektrorollstuhl an einem Bordstein fast stürzte. In diesem Moment wurde sehr deutlich, dass Barrieren keine theoretischen Probleme sind – sie können im Alltag reale Gefahren schaffen.
Rücksichtnahme gehört zur Barrierefreiheit dazu
Neben baulichen Hindernissen wurde auch deutlich, wie sehr Rücksichtnahme den Alltag beeinflusst. Zugeparkte Gehwege oder abgestellte Mülltonnen führen dazu, dass Menschen mit Rollstuhl oder Rollator auf die Straße ausweichen müssen.
Während unseres Rundgangs haben wir selbst erlebt, wie eng und teilweise mit welcher Geschwindigkeit Fahrzeuge an uns vorbeifuhren. Solche Erfahrungen verändern die Perspektive.
Barrierefreiheit bedeutet deshalb nicht nur Investitionen in Infrastruktur – sondern auch die Schaffung von mehr Bewusstsein und Verantwortung im Alltag.
Mobilität bleibt Schlüssel für echte Teilhabe
Ein zentrales Thema war außerdem die Situation im öffentlichen Nahverkehr. Besonders die Buslinien und die Erreichbarkeit des Busbahnhofs beschäftigen viele Betroffene seit Jahren.
Wenn Menschen mit Behinderung bereits an der Mobilität scheitern, werden alltägliche Dinge wie Einkaufen, Arztbesuche oder soziale Kontakte unnötig erschwert.
Teilhabe konkret statt symbolisch
Im anschließenden Austausch ging es auch um bundes- und landespolitische Fragen – etwa um die Zukunft der Eingliederungshilfe, Bürokratieabbau und Mitbestimmungsrechte von Bewohnerinnen und Bewohnern in Einrichtungen.
Für mich bleibt klar: Teilhabe darf kein abstrakter Begriff sein. Menschen mit Behinderungen wollen dieselben Möglichkeiten wie alle anderen: selbstbestimmt leben, mobil sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Der Barrierecheck hat mir erneut gezeigt: Wir müssen weniger über Inklusion reden – und mehr dafür tun, dass sie im Alltag tatsächlich funktioniert.
Ich danke allen Beteiligten – insbesondere den Bewohnerinnen und Bewohnern des EKWZ sowie dem BSK – für die offenen Gespräche und die ehrlichen Einblicke.